{"id":3064,"date":"2019-02-14T11:53:15","date_gmt":"2019-02-14T10:53:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seglerkameradschaft.de\/?p=3064"},"modified":"2019-02-14T11:53:15","modified_gmt":"2019-02-14T10:53:15","slug":"unterwasserablagerungsflaeche-medemrinne-ost","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seglerkameradschaft.de\/?p=3064","title":{"rendered":"Unterwasserablagerungsfl\u00e4che Medemrinne-Ost"},"content":{"rendered":"<p>Der Baubeginn eines der Kernst\u00fccke der Fahrrinnenanpassung r\u00fcckt n\u00e4her: Die <a href=\"http:\/\/www.fahrrinnenausbau.de\/genehmigungsantrag\/planung\/baggerkonzept\/medemrinne-ost\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">&#8222;UWA Medemrinne-Ost\u201c<\/a>. Ende Januar 2019 wurde der <a href=\"https:\/\/www.hafen-hamburg.de\/de\/news\/erste-auftraege-zur-umsetzung-der-fahrrinnenanpassung-unter-und-aussenelbe-erteilt---36157\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Auftrag erteilt<\/a>, und entsprechend der <a href=\"https:\/\/www.elwis.de\/DE\/dynamisch\/BfS\/index.php?target=3&amp;source=2&amp;db_id=200656\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bekanntmachung f\u00fcr Seefahrer 12\/19<\/a> ist ein Sperrgebiet inzwischen eingerichtet, und hier auch eine <a href=\"https:\/\/www.elwis.de\/DE\/dynamisch\/BfS\/index.php?target=3&amp;source=2&amp;db_id=202136\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Steinumschlagfl\u00e4che<\/a>. Die Teilverf\u00fcllung der Medemrinne dient der D\u00e4mpfung der ein- und ausschwingenden Tideenergie und soll einem weiteren ausbaubedingten Absunk des Tideniedrigwassers stromauf entgegenwirken.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich pfiffig, die Organisation der Aushub-Verbringung (im Strom selbst) als eine tidehubd\u00e4mpfende Ma\u00dfnahme, als Korrektur einer Fehlentwicklung anzulegen. Auffallend hingegen ist, dass es bei der sonst \u00fcblichen Simulationsfreude der BAW und entgegen der eigenen Erkenntnislage zu fr\u00fcheren Planungsvers\u00e4umnissen keine mittelfristige Betrachtung des zu erwartenden morphologischen Nachlaufs nach Anlage der UWA gibt. Mit der Teilverf\u00fcllung der Medemrinne f\u00e4llt ein hydraulisch wichtiger Elbarm weg, und der Fluss wird (auch ohne die geplante Vertiefung) bestrebt sein, zu einem neuen Gleichgewicht zu kommen &#8211; also in dieser Gegend st\u00e4rker str\u00f6men und andere Wattbereiche erodieren, was die urspr\u00fcngliche D\u00e4mpfungswirkung der UWA konterkarieren wird.<\/p>\n<p>Ganz abgesehen davon, dass die Lagestabilit\u00e4t gerade der Medemrinne-UWA nicht einfach vorausgesetzt werden kann. Wer jemals durch Studium alter Seekarten mit der Dynamik der Morphologie der Elbm\u00fcndung in Ber\u00fchrung gekommen ist, dem k\u00f6nnen Zweifel kommen, wie lange sich ein derartiges Bauwerk dort wird behaupten k\u00f6nnen. Die S\u00e4nde wandern, und die Muster der Rinnensysteme kehren periodisch wieder. Die Stichworte aus den letzten Jahrzehnten sind: Entstehung des Medemgrundes, Verlagerung der Medemrinne nach Norden, Durchbruch des Klotzenlochs. Dies l\u00e4sst sich zum Beispiel in dieser <a href=\"http:\/\/www.hamburg-fuer-die-elbe.de\/?page_id=907#_ftn1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Flash-Animation<\/a> detailliert nachvollziehen.<\/p>\n<p>Das gesamte Gefilde &#8211; einschlie\u00dflich der \u00f6stlicher gelegenen Neufelder Rinne und des Neufelder Sandes &#8211; kann auf eine bewegte Vergangenheit zur\u00fcckblicken, wie die folgende Grafik <sup> <a id=\"anker1\" title=\"Quelle\" href=\"\/#fn1\">[1]<\/a> <\/sup> zeigt.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gramberg.biz\/dl\/SKCN\/2019_2\/Bild41.JPG\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.gramberg.biz\/dl\/SKCN\/2019_2\/Bild41.JPG\" alt=\"\" \/><\/a><br \/>\nDie Rinne ist heute verschwunden, der Neufelder Sand wird im Zuge der Fahrrinnenanpassung ebenfalls mit einer <a href=\"http:\/\/www.fahrrinnenausbau.de\/genehmigungsantrag\/planung\/baggerkonzept\/neufelder-sand\/index.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">UWA aufgeh\u00f6ht<\/a> werden.<\/p>\n<p>Um Fakten zu schaffen, sind massive Steind\u00e4mme (wie der Leitdamm Kugelbake) in dieser exponierten Gegend eigentlich Mittel der Wahl, und unsere V\u00e4ter und Gro\u00dfv\u00e4ter hatten insgesamt einen deutlich robusteren Ansatz (f\u00fcr die Unterwerfung der Natur). Tats\u00e4chlich gab es schon 1939 den Plan, mit einem von Brunsb\u00fcttelkoog ausgehenden und sich immerhin bis zur H\u00f6he der Ostem\u00fcndung erstreckenden Strombauwerk das Rinnensystem zu fixieren, wie sich in diesem <a href=\"https:\/\/www.dithmarschen-wiki.de\/Geplante_Stromleitwerke_in_der_Elbe_1939\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel des Dithmarschen-Wikis<\/a> nachlesen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Gebaut worden ist davon nur ein (heute weitgehend versandetes) Teilst\u00fcck auf der dem Osteriff-Leitwerk gegen\u00fcberliegenden Seite. Aber die Bundesanstalt f\u00fcr Wasserbau hatte unter anderem auch diese Idee des &#8222;Leitdamm Hermannshof\u201c im Jahre 1980 nochmal untersucht, und es ist erfrischend, sich der Planungen aus dieser Zeit noch einmal zu vergegenw\u00e4rtigen. Eindeichung und Aufsp\u00fclung zum Zwecke der Baggergutentsorgung und\/oder der Schaffung von Industriefl\u00e4che war nicht verp\u00f6nt, sondern das Standardverfahren. Und so liest man in dem Mitteilungsblatt der BAW <sup> <a id=\"anker2\" title=\"Quelle\" href=\"\/#fn2\">[2]<\/a> <\/sup>:<\/p>\n<blockquote><p>Im Namen der Landesregierung Schleswig-Holstein erl\u00e4uterte Anfang 1972 der Beauftragte f\u00fcr den Wirtschaftsraum Brunsb\u00fcttel die Notwendigkeit, zur Sicherung der Energieversorgung weitere Standortm\u00f6glichkeiten f\u00fcr gro\u00dfe Kraftwerkseinheiten im \u00c4stuarbereich der Elbe zu erkunden. Bei dem hohen K\u00fchlwasserbedarf moderner Kraftwerke und den bereits bestehenden thermischen Belastungen der Fl\u00fcsse ist dort die Anzahl der Standorte begrenzt. In absehbarer Zeit k\u00f6nnen diese nur noch in den M\u00fcndungsgebieten der gro\u00dfen Str\u00f6me oder unmittelbar an der K\u00fcste gefunden werden.<br \/>\nDas Land Schleswig-Holstein \u00fcberlegte aus diesem Grunde, den Neufelder Sand (stromab von Brunsb\u00fcttel) einzudeichen, aufzusp\u00fclen und dieses Gel\u00e4nde den Versorgungsunternehmen als Standort f\u00fcr ein Kraftwerk anzubieten. Durch die Aufsp\u00fclung w\u00fcrde eine Fl\u00e4che von ca. 600 ha nutzbar sein.<br \/>\nDa dieser Eingriff in die bestehenden hydraulischen Verh\u00e4ltnisse auch zu Ver\u00e4nderungen der Morphologie f\u00fchren wird und damit die Stabilit\u00e4t der Fahrwasserrinne gef\u00e4hrden kann, war es erforderlich, in einem Modellversuch diese Folgeerscheinungen zu untersuchen.<br \/>\nDie Wasser-und Schiffahrtsverwaltung des Bundes m\u00f6chte dieses Gebiet jedoch freihalten, um langfristig eine Baggergutdeponie einrichten zu k\u00f6nnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Realisierung dieser \u00dcberlegungen h\u00e4tten uns &#8211; wenn schon kein Kraftwerk &#8211; ein keckes B\u00fcrzel (&#8222;Varianten 1 und 2&#8220;) <sup> <a id=\"anker3\" title=\"Quelle\" href=\"\/#fn3\">[3]<\/a> <\/sup> beziehungsweise einen niedlichen Zipfel (&#8222;Varianten 3 und 4&#8220;) <sup> <a id=\"anker4\" title=\"Quelle\" href=\"\/#fn4\">[4]<\/a> <\/sup> an der Dithmarscher K\u00fcste beschert.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gramberg.biz\/dl\/SKCN\/2019_2\/Bild42.JPG\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.gramberg.biz\/dl\/SKCN\/2019_2\/Bild42.JPG\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.gramberg.biz\/dl\/SKCN\/2019_2\/Bild43.JPG\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.gramberg.biz\/dl\/SKCN\/2019_2\/Bild43.JPG\" alt=\"\" \/><\/a><br \/>\nAndererseits: So falsch ist die M\u00fcndungsnasen-Ansatz nicht, wenn man eines Tages zu der \u00dcberlegung kommt, das Elbdelta mit einem (Sturmflut-) Sperrwerk abd\u00e4mmen zu wollen.<\/p>\n<p>Ein Quercheck zum den Unterelbe-Industrieansiedlungsplanungen der Siebziger zeigt in der folgenden Grafik <sup> <a id=\"anker5\" title=\"Quelle\" href=\"\/#fn5\">[5]<\/a> <\/sup> \u00fcbrigens tats\u00e4chlich ein Kernkraftwerk auf dem Neufelder Sand. Neben den auserw\u00e4hlten Standorten Neuwerk, Altenbruch, Brokdorf und Kollmar!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.gramberg.biz\/dl\/SKCN\/2019_2\/IndustrieansiedlungElbe.PNG\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.gramberg.biz\/dl\/SKCN\/2019_2\/IndustrieansiedlungElbeSmall.jpg\" alt=\"\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br \/>\nLiteratur<\/p>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li id=\"fn1\"><a href=\"\/#anker1\">[1]<\/a> Albers, Torsten: Messung und Analyse morphologischer \u00c4nderungen von \u00c4stuarwatten, Untersuchungen im Neufelder Watt in der Elbm\u00fcndung, Dissertation, Technische Universit\u00e4t Hamburg-Harburg 2012, S.85, <a href=\"https:\/\/tubdok.tub.tuhh.de\/bitstream\/11420\/1055\/2\/20120605_Dissertation_Albers_TUB_Teil_1_1.pdf\">Download<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li id=\"fn2\"><a href=\"\/#anker2\">[2]<\/a> Giese, E.: Das Tideregime der Elbe, in: Mitteilungsblatt der Bundesanstalt f\u00fcr Wasserbau, Nr. 48, 1980, S.31, <a href=\"https:\/\/izw.baw.de\/publikationen\/mitteilungsblaetter\/0\/mb48_Gesamt.pdf\">Download<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li id=\"fn3\"><a href=\"\/#anker3\">[3]<\/a> Giese, E., S.45<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ul>\n<li id=\"fn4\"><a href=\"\/#anker4\">[4]<\/a> Giese, E., S.47<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li id=\"fn5\"><a href=\"\/#anker5\">[5]<\/a> Grimm, R.: \u00d6kologische Auswirkungen landschaftsver\u00e4ndernder Ma\u00dfnahmen an der Niederelbe, in: Landespflege an der Unterelbe, Heft 25, April 1976, S.296, <a href=\"https:\/\/www.landespflege.de\/schriften\/DRL_SR25.pdf\">Download<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Baubeginn eines der Kernst\u00fccke der Fahrrinnenanpassung r\u00fcckt n\u00e4her: Die &#8222;UWA Medemrinne-Ost\u201c. 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