{"id":1520,"date":"2015-10-26T23:30:49","date_gmt":"2015-10-26T22:30:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.seglerkameradschaft.de\/?p=1520"},"modified":"2015-10-26T23:30:49","modified_gmt":"2015-10-26T22:30:49","slug":"tankrevision","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seglerkameradschaft.de\/?p=1520","title":{"rendered":"Die Tankrevision"},"content":{"rendered":"<p>Man liest so manches von Mikroorganismen im Diesel, wo Bakterien, Algen und Pilze ein munteres Leben im Wasseranteil des Treibstoffs f\u00fchren und mit ihrer Bioschlammbildung im falschen Moment bei rauer See den Filter dichtsetzen und zum Maschinenausfall, wom\u00f6glich zum Seenotfall f\u00fchren. <\/p>\n<p>Verschiedene Faktoren kommen hier zusammen. Die Pflichtbeimischung von Biodiesel, dessen h\u00f6herer Wasseranteil, seine hygroskopische Anf\u00e4lligkeit zusammen mit der vorgeschriebenen Schwefelarmut hat die Empfindlichkeit der Kraftstoffanlagen auf Sportbooten \u2013 in deren Tanks der Treibstoff im Mittel zu lange verweilt &#8211; offenbar deutlich steigen lassen. War zu Zeiten mineralischen Diesels nichts gegen die Verwendung von Buntmetall im Leitungssystem zu sagen, so ist heute die zur Schlammbildung f\u00fchrende katalytische Reaktion des Kupfers mit Biodiesel bekannt. Und dessen erstaunliche Aggressivit\u00e4t gegen\u00fcber urspr\u00fcnglich stabilen Dichtungsmaterialien hat mancher Eigner schon an tropfenden Einspritz- und F\u00f6rderpumpen zur Kenntnis nehmen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Grund genug, einmal selber nachzusehen, die Zeit des Winterlagers bietet sich f\u00fcr eine genauere Untersuchung an. Im konkreten Fall d\u00fcrfte der Aluminiumtank vor etwa zwanzig Jahren installiert worden ein, St\u00f6rungen sind bislang nicht aufgetreten, die Pr\u00fcfung an der Ablassschraube des Kraftstofffilters war bislang stets negativ (kein Wasser, keine Tr\u00fcbstoffe). Eine Testabsaugung aus dem Tank selbst hatte aber durchaus ein paar Ausflockungen zutage gef\u00f6rdert. <\/p>\n<p>Nach der \u00d6ffnung des Inspektionsdeckels ergibt sich zun\u00e4chst ein befriedigendes Bild mit klarem Treibstoff ohne herumwaberndem Bodensatz oder auff\u00e4llige Wasserlinsen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seglerkameradschaft.de\/wp-content\/uploads\/2015_3\/Tank_Innenansicht.JPG\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.seglerkameradschaft.de\/wp-content\/uploads\/2015_3\/Tank_Innenansicht.JPG\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei genauerem Ausleuchten sind aber schwarze Bel\u00e4ge an den Schwei\u00dfn\u00e4hten des Tankbodens unverkennbar. Nach fortgesetzter Entleerung des Tanks f\u00f6rdert ein beherzter Griff in dessen Ecke zwei Handvoll k\u00f6rnigen Glibbers insgesamt recht spezieller Konsistenz ans Tageslicht: Sieht wie Schwer\u00f6l mit Fischlaich aus, ist aber nicht teerig. Eine intensivere mechanische Reinigung dr\u00e4ngt sich damit auf, wird aber auch durch das Prallblech im Innern behindert. Ohne zus\u00e4tzliche Inspektions\u00f6ffnung auf der anderen Tankseite wird es nicht gehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.seglerkameradschaft.de\/wp-content\/uploads\/2015_3\/Glibber.JPG\"><img decoding=\"async\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.seglerkameradschaft.de\/wp-content\/uploads\/2015_3\/Glibber.JPG\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach dem zus\u00e4tzlichen Schnitt in einen bisher heilen Tank sticht der Glibberhaufen auf dem Tankboden unterhalb des Einf\u00fcllstutzens unangenehm ins Auge. Ein Tankstutzen an Deck ist der Normalfall, ohne Frage aber auch ein Leckage-Risiko. Gerade deswegen wird der O-Ring alle paar Jahre gewechselt und gelegentlich mit Glycerin eingecremt. <\/p>\n<p>Dennoch geh\u00f6rt eine reale Dichtigkeitspr\u00fcfung nicht zu den seem\u00e4nnischen Routinechecks; hier dr\u00e4ngt sie sich aber nun auf. Die Versuchsanordnung besteht im einer schmalen, ihres Bodens beraubten Konservendose, die mit Dichtmasse auf dem Kragen des Tankstutzens aufgesetzt wird. Und siehe da: Nach dem Aufgie\u00dfen von Wasser tr\u00f6pfelt es bei der F\u00fcllh\u00f6he von einem Zentimeter nicht nur, sondern es tropft. <\/p>\n<p>Eine nachhaltige Dieselpest-Therapie erfordert einen breitbandigen Ansatz. Er beginnt mit einer Verbannung des Einf\u00fcllstutzens in das Bootsinnere. Ein neuer Tankstutzen mit breitem, die Einf\u00fcll\u00f6ffnung \u00fcberlappenden und damit zumindest regendichten Deckel h\u00e4tte es vielleicht auch getan, erschien in diesem Fall aber nicht ausreichend konsequent. Zweitens deutet alles auf die zuk\u00fcnftige Verwendung einschl\u00e4giger Kraftstoff-Biozide hin. Der Einsatz der Edel-Gas\u00f6le namhafter Mineral\u00f6lkonzerne ist zwanzig Prozent teurer, soll aber ebenfalls helfen, da diese keinen Biodiesel enthalten, sondern zugesetzten Synthesekraftstoff (etwa wie &#8222;Gas to Liquid&#8220;). Drittens ist es sicher kein Fehler, alle zehn Jahre eine Tankinspektion durchzuf\u00fchren. Die Verbannung des Buntmetalls wird diesmal noch nicht umgesetzt. Und dann w\u00e4re ein LKW-Kunststofftank mit seiner besseren Isolation ohnehin schicker, denn er verspricht, den Wassereintrag durch tankinterne Kondenswasserbildung zu minimieren. Gegen\u00fcber einem lecken Einf\u00fcllstutzen bleibt dies aber eher ein Luxusproblem. <\/p>\n<p>F\u00fcndig zu werden hei\u00dft, den Tankausbau als insgesamt erfolgreiche, rechtzeitig umgesetzte Aktion bewerten zu k\u00f6nnen. Auch wenn der Glibber eher thixotrop ist und gut an den Tankw\u00e4nden haftet, so verbleibt angesichts der Sp\u00fclkraft des im Zustand fortgeschrittener Tankleerung bei Seegang herumschwappenden Diesels ein unsch\u00f6nes Gef\u00fchl. Mancher setzt zwar auf seine manuelle Umschaltm\u00f6glichkeit zwischen zwei parallel installierten Kraftstofffiltern, aber im unangenehmeren Szenario verschlie\u00dft ein St\u00fcckchen Glibber eben schon die Ansaugleitung oder das Sieb der F\u00f6rderpumpe. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man liest so manches von Mikroorganismen im Diesel, wo Bakterien, Algen und Pilze ein munteres Leben im Wasseranteil des Treibstoffs f\u00fchren und mit ihrer Bioschlammbildung im falschen Moment bei rauer See den Filter dichtsetzen und zum Maschinenausfall, wom\u00f6glich zum Seenotfall f\u00fchren. Verschiedene Faktoren kommen hier zusammen. 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